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Geplante Untersuchungen im Gemeindegebiet


In Biebergemünd wurde rund um den Ortsteil Bieber - insbesondere am Burgberg und im Lochborn - jahrhundertelang intensiv Bergbau zur Gewinnung verschiedener Erze betrieben, die auch direkt vor Ort verarbeitet wurden. Dadurch besteht auch heute noch die Möglichkeit, dass Schadstoffgehalte (wie z. B. Blei und Arsen) in Böden erhöht sind.

Diese Erze weisen teils erhebliche Anteile an Arsen und Schwermetallen auf, die durch den Erzabbau an die Erdoberfläche gelangten. Insbesondere erhöhte Arsengehalte sind vorwiegend dort zu vermuten, wo im Rahmen der Bergbau¬tätigkeit Auswaschungsprozesse stattfanden, mit Arsen verunreinigtes Bachwasser durch Schwarz¬bach und Bieber in die Auen transportiert wurde und/oder arsenbelastete Böden umgelagert wurden.

Seit dem Jahr 2017 wurden daher im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Frankfurt, Bodenuntersuchungen in Biebergemünd durchgeführt.

Dies betraf zunächst vorrangig Kinderspielplätze und Sport- und Freizeitflächen im Auenbereich sowie in der Umgebung ehemaliger Bergbaustandorte. Zudem wurden Stichproben im Bereich von landwirtschaftlich genutzten Flächen (vorwiegend Grünlandnutzung) entnommen und Futtermitteluntersuchungen durchgeführt.

Bei diesen Bodenuntersuchungen wurden sowohl auf einzelnen Spielflächen als auch auf Grünlandflächen zum Teil sehr hohe Arsen- und Bleigehalte festgestellt.

Über die Untersuchungsergebnisse wurden die Gemeinde und die Öffentlichkeit sowie zuständige Behörden und weitere Fachstellen informiert. Im März 2018 fand eine Bürgerinformations-veranstaltung in Biebergemünd statt. Dabei wurden auch Handlungsempfehlungen sowie Anbau- und Verzehrempfehlungen gegeben. Diese sind auf der Homepage der Gemeinde zu finden.

Hochbelastete Bereiche wie der Spielplatz an der Laurentiuskirche im Ortsteil Bieber wurden gesperrt und weiter detailliert untersucht. Auf anderen Flächen wurde vorsorglich z. B. der Einbau einer Grabsperre unterhalb von Sandspielflächen empfohlen.

Seither wurden weitere Kinderspiel- und Sport- und Freizeitflächen im Gemeindegebiet untersucht und dort teilweise spezielle Untersuchungen des Bodens, z. B. zur Resorptionsverfügbarkeit (Aufnahme von arsenbelasteten Bodenpartikeln über den Magen-Darm-Trakt) und zur möglichen Gesundheitsgefährdung durch Einatmen arsenbelasteten Staubes durchgeführt. Außer im Fall eines weiteren Spielplatzes, diesmal im Ortsteil Wirtheim, der inzwischen ebenfalls gesperrt wurde, erwiesen sich die bisherigen Messergebnisse auf den Spielflächen als unbedenklich.

Durch eine historische Recherche zu den früheren Bergbautätigkeiten sowie den speziellen Erzabbau-, Verarbeitungs- und Verhüttungsmethoden im Gemeindegebiet konnten wichtige Erkenntnisse über mögliche Ausbreitungspfade und der Schadstoffe gewonnen werden.

Die gesammelten Informationen und Untersuchungsergebnisse wurden gemeinsam mit verschiedenen Fachstellen, wie z. B. dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) und dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) intensiv erörtert und das weitere Vorgehen abgestimmt.

Aufgrund der vermutlich großflächigen Bodenbelastung in Biebergemünd, die sich ca. von der Quelle des Schwarzbaches im Zentrum des ehemaligen Bergbaugebietes talabwärts bis zur Mündung der Bieber in die Kinzig erstreckt, sollen nun weitere Untersuchungen zur Gefahrerforschung in einem abgestuften Verfahren durchgeführt werden.

Auch besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass es im Zuge von Baumaßnahmen zur Verwendung schadstoffbelasteten Bodens gekommen sein kann oder dass Schadstoffe während des Bergbaubetriebes bei Verhüttungsprozessen durch Verwehungen in den Boden auch in weiter entfernte Bereiche eingetragen worden sein können.

Für 2020 ist zunächst vorgesehen, weitere Kinderspielflächen im Gemeindegebiet zu untersuchen, die nicht unmittelbar im Auenbereich oder in räumlicher Nähe zu ehemaligen Bergbaustandorten liegen. Ziel ist dabei, mögliche Gefährdungen der Bevölkerung auf sensibel genutzten Flächen in Biebergemünd ausschließen zu können.

Im Anschluss an diese Untersuchungen sind Bodenuntersuchungen im Auenbereich der Bieber auf einer Länge von ca. 12 km vorgesehen. Damit soll eine breite Datengrundlage geschaffen und die Ausdehnung der Belastungsgebiete ermittelt werden, die durch Überschwemmungsereignisse der Bieber in den letzten Jahrhunderten entstanden sind.

Ebenfalls in diesem Jahr soll mit der Ermittlung möglicher Einleitungsstellen von arsenbelastetem Wasser aus ehemaligen Bergbaustollen in die Abwasserkanalisation der Kläranlage Lanzingen begonnen werden. Diese Untersuchungen werden stufenweise erfolgen und werden sich voraussichtlich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

In den kommenden Jahren folgen dann sukzessive weitere Untersuchungen der Oberflächengewässer, wie Bäche und Teiche sowie des eigentlichen Bergbaustandortes.

Ziel aller Untersuchungen ist es schließlich, ein möglichst umfassendes Bild der Belastungssituation mit Schadstoffen aus dem historischen Bergbau im Gemeindegebiet Biebergemünd zu erhalten. Dies ist erforderlich, um mögliche Gefährdungen erkennen, und konkrete Handlungsempfehlungen aussprechen zu können.



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